Im Rahmen der Aufarbeitung der Flutkatastrophe 2021 hat das Bayerische Zentrum für besondere Einsatzlagen (BayZBE) eine erste wissenschaftliche Auswertung strukturierter Einsatzinterviews mit bayerischen Rettungs- und Hilfskräften durchgeführt. Ziel der Untersuchung war es, Erfolgsfaktoren und Limitationen der Einsatzbewältigung systematisch zu identifizieren und daraus übertragbare Erkenntnisse für zukünftige Katastrophenlagen abzuleiten.
Grundlage der Analyse bilden acht strukturierte Einsatzinterviews mit Einsatz- und Führungskräften, Stabsmitgliedern, Betreuungskräften, medizinischen Helfer:innen sowie Feuerwehrangehörigen aus verschiedenen bayerischen Hilfsorganisationen, darunter BRK, MHD, JUH, ASB und die Freiwillige Feuerwehr. Die Interviews dauerten jeweils ein bis zwei Stunden und deckten unterschiedliche Funktionen und Perspektiven ab.
Der Untersuchungszeitraum umfasste den gesamten bayerischen Einsatz im Zusammenhang mit der Flutkatastrophe – vom Aufbau des Krisenstabs ab dem 16. Juli 2021 bis zum Einsatzende am 15. August 2021. Die Interviews selbst wurden zwischen dem 27. Juli und dem 2. September 2021 geführt. Erste Ergebnisse wurden im September 2021 den bayerischen Hilfsorganisationen sowie dem Innenministerium vorgestellt.
Auf Basis der Auswertung identifizierte das BayZBE rund 80 konkrete Handlungsansätze („Features“)“, die nun im nächsten Schritt durch eine Arbeitsgemeinschaft (ArGe) weiterbearbeitet werden sollen. Ziel ist es, diese Erkenntnisse in neue Handlungsanweisungen, zielgerichtetere Trainingsformate, angepasste Strukturen sowie innovatives Einsatzmaterial zu überführen.
Auch wenn die Untersuchung auf den Erfahrungen ehrenamtlicher Einsatzkräfte aus Bayern im sogenannten „weißen Blaulichtsektor“ basiert, werden die Ergebnisse als weitgehend übertragbar auf andere Organisationen, Strukturen und Bundesländer eingeschätzt. Damit leisten sie einen wichtigen Beitrag zur bundesweiten Vernetzung von Lessons Learned aus der Flutkatastrophe 2021.
Die Analyse wurde von Wilko Beinlich (BayZBE) verfasst. Die vollständige Analyse findet sich hier, und kann weiterführende Forschungs- und Vernetzungsaktivitäten genutzt werden.
(Bildquelle: Pixabay)

