Hagel
Hagelgewitter treten in Deutschland regelmäßig auf und stellen insbesondere für Infrastruktur, Landwirtschaft und private Haushalte ein erhebliches Schadensrisiko dar. Aufgrund ihrer kurzen Dauer und räumlich begrenzten Ausdehnung sind sie zudem nur schwer vorherzusagen.
Diese Themenseite gibt einen Überblick über Entstehung, Verbreitung und Auswirkungen von Hagel sowie über Herausforderungen und Vorsorgemaßnahmen.
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Was ist Hagel?
Hagel ist eine feste Niederschlagsform, die aus Eiskörnern besteht und ab einem Durchmesser von etwa fünf Millimetern als solcher bezeichnet wird (Kunz et al. 2017). Die Hagelkörner bestehen aus gefrorenem Wasser mit eingeschlossenen Luftblasen und weisen eine eher milchig-weiße, kompakte und häufig poröse Struktur auf (Spektrum o. J.). Sie können einzeln auftreten oder als zusammengeballte, größere Strukturen vorkommen und unterscheiden sich damit deutlich von Graupel, der eine weichere Konsistenz besitzt (Watzek, J. 2024). Wie er entsteht und was das für das Thema Sicherheit bedeuten kann, soll im Folgenden näher betrachtet werden.
Rekordgrößen von Hagelkörnern
Das größte Hagelkorn der Welt wurde am 23. Juli 2010 in Vivian, South Dakota, erfasst. Mit einem Durchmesser von 20,3 cm, einem Umfang von 47,3 cm und einem Gewicht von etwa 0,88 kg war es so groß wie ein Volleyball. Dieses rekordverdächtige Hagelkorn verursachte erhebliche Sachschäden und gilt als das größte offiziell registrierte Hagelkorn weltweit (Mobiliar Lab für Naturrisiken 2023). Das größte erfasste Hagelkorn Deutschlands, welches in Undingen, Landkreis Reutlingen am 6. August 2013 gefunden wurde, hatte einen Durchmesser von 14,1 cm und einem Gewicht von 0,36 kg, vergleichbar mit einer großen Orange (Herold, C. 2021).
Wie entsteht Hagel?
Hagel entsteht in hochreichenden Gewitterwolken (Watzek, J. 2024), in denen starke Auf- und Abwinde sowie sehr kalte Temperaturen vorherrschen. In diesen Wolken befinden sich zahlreiche unterkühlte Wassertröpfchen und Eiskeime, sie bilden die Grundlage für die Entstehung und das Wachstum von Hagelkörnern.
Voraussetzung für die Hagelbildung sind Temperaturen zwischen −10 °C und −30 °C in bestimmten Bereichen der Gewitterwolke. Dort befinden sich zahlreiche unterkühlte Wassertröpfchen, die trotz Temperaturen unter dem Gefrierpunkt flüssig bleiben. Erst wenn sie auf sogenannte Eiskeime (Aerosolpartikel) treffen, gefrieren sie schlagartig. Dabei entstehen zunächst kleine Graupelteilchen, die als Hagelembryonen dienen. Durch starke Aufwinde werden diese Partikel immer wieder nach oben transportiert, wo sich weitere Wassertröpfchen anlagern und gefrieren. Auf diese Weise wächst das Hagelkorn schichtweise durch trockenes und nasses Wachstum (Kunz et al. 2018).
Für das weitere Wachstum von Hagelkörnern sind vor allem eine hohe Luftfeuchtigkeit sowie starke und anhaltende Aufwinde entscheidend. Je mehr Wasser in der Wolke verfügbar ist und je kräftiger die Aufwinde ausfallen, desto größer können die Hagelkörner werden – besonders extreme Größen werden dabei häufig in langlebigen, rotierenden Gewitterzellen (Superzellen) erreicht (Mohr, S. 2013).
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Hagelverteilung und Hotspots in Deutschland
Hagel tritt in Deutschland vor allem im Sommerhalbjahr auf, mit einer Häufung zwischen Mai und August (Kunz & Puskeiler 2010). Grundsätzlich kann er überall entstehen, jedoch zeigen sich regionale Schwerpunkte – insbesondere im Süden Deutschlands, wo Hagelereignisse häufiger auftreten.
Da Hagel sehr lokal auftritt und selten direkt gemessen wird, basiert die Gefährdungsabschätzung häufig auf Radardaten. Diese ermöglichen eine flächendeckende und hochauflösende Analyse von Gewitterzellen und liefern wichtige Hinweise auf die Verteilung von Hagel.
Langfristige Entwicklungen sind regional unterschiedlich: Während in Nord- und Mitteldeutschland kaum Veränderungen zu beobachten sind, nimmt die Hagelaktivität, aufgrund des Klimawandels, in Teilen Süddeutschlands zu (Mohr, S. 2013).
Mittlere Anzahl potentieller Hageltage pro Jahr (Datengrundlage: Radardaten DWD, Zeitraum: 2005-2024, Sommerhalbjahr; Quelle: KIT, 2025)
Zeitliche und räumliche Vorhersagbarkeit
Herausforderungen
Die Vorhersage von Hagel ist besonders schwierig, da Hagelgewitter oft nur kleinräumig auftreten und nur kurze Zeit bestehen. Numerische Wettermodelle arbeiten zwar mit aktuellen Wetterdaten und physikalischen Berechnungen, reagieren jedoch empfindlich auf kleinste Veränderungen der Ausgangsbedingungen. Dadurch können Vorhersagen variieren und Unsicherheiten entstehen (Mohr, S. 2013).
Lösungsansätze
Zur besseren Einschätzung von Hagelrisiken werden sogenannte Konvektionsparameter genutzt (Mohr, S. 2013). Besonders wichtig ist dabei die CAPE (Convective Available Potential Energy), die das Energiepotenzial für Gewitterentwicklungen beschreibt. Auch die vertikale Windscherung spielt eine zentrale Rolle, da sie die Bildung von Superzellen und damit von großem Hagel begünstigen kann (Kunz et al. 2020).
Für die kurzfristige Beobachtung aktiver Gewitter wird zudem das sogenannte Nowcasting eingesetzt. Mithilfe von Radardaten können Gewitterzellen in Echtzeit überwacht sowie ihre Intensität und Zugrichtung analysiert werden. Hohe Radarreflektivitäten liefern dabei Hinweise auf mögliche Hagelereignisse (Wilbert, L. 2024).
Weitere Herausforderungen im Zusammenhang mit Hagel
Herausforderungen in der Forschung
- Hagelklimatologie lässt sich nicht direkt aus Wetterstationsdaten ableiten
- Langfristige und flächendeckende Beobachtungsdaten sind nur schwer zu erfassen
- Hagelereignisse lassen sich trotz ihrer geringen lokalen Ausdehnung bis jetzt nur unzuverlässig dokumentieren
- Fehlende Entwicklung hochauflösender Modellansätze für Hagelereignisse
- Fehlendes Verständnis der atmosphärischen Prozesse und des Einflusses des Klimawandels
- Genaue Analysen der Ursachen und regionalen Eintrittswahrscheinlichkeiten von Hagelunwettern
- Realistische Bewertungen der Risiken und potenziellen Schäden
- Zuverlässiges Nowcasting
- Reduzierung der Unsicherheiten von numerischen Wettermodellen
- Unzureichende Forschung im Zusammenhang mit Hagel und Solarenergie
(Brasseur, G. P. 2017; KIT 2021; Raupach et al. 2021; Fuchs & Kunz 2024)
Herausforderungen im operativen Bereich
- Festlegung geeigneter Alarmierungszeitpunkte
- Rechtzeitige und flächendeckende Warnung der Bevölkerung
- Schnelle Umsetzung adäquater Schutzmaßnahmen
- Bewältigung von Ausfällen Kritischer Infrastrukturen
- Sicherstellung einer ausreichenden und geeigneten Ausstattung an Einsatzmitteln
- begrenzte personelle und materielle Kapazitäten auszugleichen
- Effektive Koordination paralleler Einsatzlagen
- Schäden in der Landwirtschaft und Risiken für die Nahrungsmittelversorgung zu minimieren
- Einsatzkräfte trotz zunehmender Extremwetterereignisse zu entlasten
- Vorbereitung auf schwer prognostizierbare Magnitude und Intensität von Hagelereignissen
(BBK 2025)
Je größer der Durchmesser der Hagelkörner ist, desto höher ist das Schadensrisiko an Gebäuden und Infrastruktur sowie das Verletzungsrisiko, da sich die Aufprallgeschwindigkeit mit zunehmender Größe deutlich erhöht. Zu den vielfältigen Schäden durch Hagel gehören unter anderem (GDV 2025; GDV 2019):
Zerstörung landwirtschaftlicher Erzeugnisse
In der Landwirtschaft kann bereits kleiner Hagel, abhängig von Jahreszeit und Vegetationszyklus der Pflanzen und insbesondere in Verbindung mit schweren Windböen, zu einem Totalausfall von Ernten führen.
Beschädigung von Dächern, Fassaden und Photovoltaikanlagen
Durch die Beschädigung von insbesondere Dächern, kann es zu Folgeschäden wie Wasserschäden durch das eindringen von Starkregen kommen.
Gefährdung des Menschen
Ab einer Hagelkorngröße von 6 cm kann zudem eine erhebliche Gefährdung für Menschen bestehen.
Beschädigung von Fahrzeugen
Die Fahrzeugbeschädigung stelltden größten finanziellen Schadensfaktor dar und ist deshalb von besonderer Bedeutung für die Versicherungsbranche.
Kosten
Durch diese Schäden kann Hagel ein sehr hohes Schadenspotenzial aufweisen. Die Höhe der Schäden variiert dabei stark zwischen den Bundesländern. In extremen Jahren waren bis zu 18 Prozent der versicherten Gebäude von Sturm- und Hagelschäden betroffen. Häufig ist ein einzelnes, schweres Sturmereignis für einen großen Teil der Schäden verantwortlich. Im Jahr 2024 verursachten Naturgefahren in Deutschland insgesamt versicherte Schäden von rund 5,7 Milliarden Euro. Davon entfielen 1,8 Milliarden Euro auf Sachschäden durch Sturm und Hagel, 2,6 Milliarden Euro auf Sachschäden durch weitere Naturgefahren und ganze 1,3 Milliarden Euro auf Schäden durch Sturm, Hagel, Blitz und Überschwemmungen in der Kfz-Versicherung. Dadurch wird sichtbar, dass die Kosten von Kraftfahrzeugschäden im Verhältnis zu anderen Schadenskategorien hoch sind. Laut Expert:innen wird die Zahl der Sturmschäden aufgrunddes Klimawandels in Zukunft voraussichtlich weiter steigen (SDV AG 2023; GDV 2025).
©DKKV
Klimawandel
Die Erde hat sich durch den menschengemachten Klimawandel bereits um etwa 1,1 °C gegenüber vorindustriellen Zeiten erwärmt (Stand: 2023). Um schwerwiegende Folgen zu vermeiden, soll die globale Erwärmung laut Pariser Klimaabkommen möglichst auf 1,5 °C begrenzt werden. Ohne schnelle Emissionsreduktionen drohen zunehmende Extremereignisse wie Hitzewellen, Dürren, Stürme, Starkregen und Überschwemmungen (LpB o.J.).
Der Klimawandel sorgt zunehmend für steigende Temperaturen. Diese führen dazu, dass die Atmosphäre mehr Feuchtigkeit speichern kann, eine wichtige Energiequelle für Gewitter. Untersuchungen zeigen, dass die Luftfeuchtigkeit in Süddeutschland in den vergangenen Jahrzehnten bereits deutlich zugenommen hat. Dadurch entstehen häufiger energiereiche Gewitterlagen, die starken Hagel begünstigen können.Forschende gehen davon aus, dass sich das Verhältnis kleinerer und größerer Hagelkörner künftig ändern wird. Damit könnten kleinere Hagelkörner seltener auftreten, gleichzeitig aber die Wahrscheinlichkeit für größeren und damit schadensintensiveren Hagel steigen. Die genaue Entwicklung ist jedoch komplex und hängt von weiteren Faktoren wie Sturmarten oder Aerosolen in der Atmosphäre ab (Fischer & Kunz 2025; .
Eindeutiger hingegen ist, dass durch den höheren Feuchtigkeitsgehalt der Luft Starkregenereignisse zunehmen. Gewitter führen daher immer häufiger zu Starkregen, Hochwasser und Sturzfluten, Entwicklungen, die eindeutig den Folgen des menschengemachten Klimawandels zuzuordnen sind (Prochazka, J. 2024).
Vorsorgemaßnahmen
- Schutz in geschlossenen Räumen suchen
- Im Freien Schutzposition einnehmen: Mit dem Gesicht nach unten auf den Boden legen/hocken und Kopf und Nacken mit Händen, Taschen oder Decken schützen
- Fahrzeuge möglichst in Garagen oder überdachten Bereichen abstellen
- Bewegliche Gegenstände wie Gartenmöbel oder Fahrräder rechtzeitig sichern
- Dachrinnen regelmäßig reinigen, damit Regenwasser ungehindert abfließen kann
- Kellerfenster schließen und abdichten, um Wassereintritt zu verhindern
- Hagelresistente Materialien beim Bauen und Sanieren berücksichtigen
- Schutzgitter, Abdeckungen oder Netze für Gebäude, Fahrzeuge und landwirtschaftliche Flächen nutzen
- Wetterwarnungen aufmerksam verfolgen, dafür können Warnapps helfen (z.B. NINA, KATWARN, usw., weitere Apps können Sie auf der Themenseite Stürme oder Starkregen finden)
(GDV 2019)
Weitere Hinweise und Tipps zum Verhalten im Katastrophenfall stellt das BBK hier zusammen: BBK Rategeber für Notfallvorsorge und richtiges Handeln in Notsituation.
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