Stark­regen

Was ist eigentlich Starkregen und was sind lauernde Gefahren? Die Seite bieten einen kurzen Überblick zur Thematik, gibt Empfehlungen zur Starkregenvorsorge und stellt nützliche Links zur Verfügung.

Starkregen

© Pixabay

Was ist Starkregen?

Als Starkregen bezeichnet man hohe Niederschlagssummen in kurzer Zeit, die in der Regel räumlich begrenzt fallen und aufgrund ihres konvektiven Ursprungs mit kurzen Vorwarnzeiten einhergehen. Starkregen tritt in Deutschland vermehrt in den Sommermonaten von Mai bis September auf. Mit steigender Temperatur nimmt die Aufnahmekapazität der Luft von Wasser zu. Durch die Aufwärtsbewegung und dadurch Abkühlung warm-feuchter Luft werden Starkregenereignisse ausgelöst (BBK 2015).

Die sehr großen Niederschlagsmengen können Wasserstände in kleinen Flüssen und Bächen schnell ansteigen lassen und so zu Überschwemmungen führen. Sturzfluten entstehen auch ohne Gewässer aufgrund der enormen Regenmenge insbesondere in Hanglagen. Die oberflächig abfließenden Regenmassen sammeln sich in topographischen Tieflagen und können Überschwemmungen und Schäden an der Infrastruktur verursachen. Starkregen und daraus resultierende Überschwemmungen werden durch wassergesättigte Böden, fehlende Retentionsflächen, Versiegelung und Rückstau in der Kanalisation intensiviert. Durch einen hohen Bebauungs- und Versieglungsgrad ist das Schadenspotential von Sturzfluten insbesondere in urbanen Gebieten hoch (Klimanavigator).

Vorhersage

Starkregen kann überall auftreten. Die Kurzfristigkeit von Starkregen sowie unzureichende Frühwarnsysteme machen eine Vorhersage von Ort und Zeitpunkt der unwetterartigen Regenfälle schwierig (Klimanavigator). Der Deutsche Wetter Dienst (DWD) warnt vor Starkregen in 3 Stufen:

Tabelle 1: Unwetterwarnung nach dem Deutschen Wetterdienst (DWD)

Unwetterwarnung DWD

Katastrophale Starkregenereignisse

Flut Ahrtal 2021

Abbildung 1: J. Bogardi

2023

Im August 2023 sorgte ein regenreiches Tiefdruckgebiet aus Italien für massive Regenfälle in weiten Teilen Sloweniens, Österreichs und Kroatiens. Besonders betroffen waren Vorarlberg, Tirol und Slazburg sowie Teile von Oberösterreich und Kärnten. Slowenien war das am stärksten von dieser Krise betroffene Land, wo es besonders im Nordosten und im Zentrum des Landes zu starken Überschwemmungen, durch die Regenmenge eines ganzen Monats die innerhalb 24 Stunden fiel. Innerhalb weniger Stunden waren das bereits zwischen 60 und 330 mm Wasser pro Quadratmeter (normale Durchschnittswerte im August liegen bei ca. 126 mm pro Quadratmeter). Einen genaueren Überblick über die Katastrophe in Slowenien im Zusammenhang mit dem Einsatz des THW als Teil des Europäischen Katastrophenschutz Mechanismus finden Sie dem DKKV Newsletter “Deutschland im europäischen Katastrophenschutz“.

2021

Die über mehrere Tage anhaltenden und starken Niederschläge, die durch das Tief „Bernd“ verursacht wurden, führten zu starken Überflutungen in weiten Teilen Rheinland-Pfalz’ und Nordrhein-Westfalens sowie in den unterliegenden Gebieten in Belgien und den Niederlanden. Weitflächig wurden Niederschlagswerte von mehr als 100 l/m² innerhalb von 72 Stunden registriert (DWD 2021). Regional kam es zu noch höheren Niederschlagswerten, z. B. in Köln-Stammheim, wo 165 l/m² Niederschlag innerhalb von 15 Stunden fielen (CEDIM 2021). Die Überschwemmungen forderten in Deutschland mehr als 180 Menschenleben und verursachten massive Schäden in Höhe von circa 33 Milliarden Euro (DKKV 2022). Die Munich Re stuft das Ereignis in einer Schadenstatistik von 2021 aufgrund einer Gesamtschadenshöhe von 46 Milliarden Euro als zweitteuerstes Naturereignis nach Hurrikan Ida ein (Munich Re 2022). Ein ausführlicher Bericht des Flutereignisses 2021 wurde im Rahmen der 62. DKKV-Schriftenreihe „Die Flutkatastrophe 2021 in Deutschland: Ein Jahr danach und erste Lehren für die Zukunft“ veröffentlicht.

2017

Auch 2017 führten Stark- und Dauerregen vielerorts zum Ausnahmezustand. Starkregen der Tiefs „Rasmund“ und „Alfred“ haben zu Überschwemmung in Berlin und Brandenburg sowie in den Städten Köln und Moers geführt (DWD 2017). Allein diese Unwetterserie hat in der Zeit zwischen dem 20. Juni und dem 2. Juli 2017 Schäden von über einer halben Milliarde Euro verursacht.

2016

Im Mai und Juni 2016 wurden in weiten Teilen Süddeutschlands nach außergewöhnlich starken Regenfällen Erdrutsche, Sturzfluten und Überschwemmungen ausgelöst. Die Ereignisse forderten mehrere Todesopfer und Schäden in Milliardenhöhe. In Braunsbach wurden über 140 Gebäude stark beschädigt, zehn mussten abgerissen werden. Die Sachschäden in Braunsbach werden auf über 100 Millionen Euro geschätzt. (Mehr zu den Ereignissen: Newsletter-Sonderausgabe des DKKV zum Thema Starkregen, Juni 2016)

Zukunftsaussichten

Nicht nur in Deutschland, sondern weltweit nimmt die Häufigkeit und Intensität von Wetterextremen zu. Der Weltklimarat (IPCC) nimmt an, dass bis Ende des Jahrhunderts extreme Niederschlagsereignisse in Europa sehr wahrscheinlich zunehmen werden (IPPC 2021). Im Rahmen einer Attributionsstudie zur Flutkatastrophe im Juli 2021 beschäftigten sich Forschende des DWD mit weiteren Forschenden der World Weather AttributionsInitiative mit dem Einfluss des Klimawandels auf die Starkniederschläge. Die Studie legt einen Zusammenhang nah, da sich die Wahrscheinlichkeit solcher Ereignisse um das 1,2- bis 9-Fache erhöht (World Weather Attribution 2021Prognos 2022). Die große Spannweite zeigt jedoch, dass eine genaue Berechnung sehr schwierig ist. Dennoch verdeutlichen die Projektionen, wie wichtig die Anpassung an den Klimawandel ist – auch für die Katastrophenvorsorge. (Mehr zur Attributionsforschung: DKKV-Themenseite Klimawandel und Attributionsforschung)

 

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Mit der Maßnahme "Wasser-Extremereignisse WaX" ...

… fördert das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) 12 Forschungsvorhaben, die fach- und sektorübergreifend neue Ansätze zum Management wasserbezogener Naturgefahren wie Starkregen, Hochwasser und Dürre entwickeln. So werden zum Beispiel Monitoring-, Vorhersage- und Managements-Konzepte für urbane Starkregenereignisse entwickelt.

Als Transfer- und Vernetzungsvorhaben begleitet das DKKV zusammen mit der Universität Potsdam die Vorhaben. Das Vorhaben ermöglicht eine intensive Vernetzung und einen Austausch der Forschungsvorhaben, stellt Synergien her und erzeugt durch eine projektübergreifende Synthese der Forschungsergebnisse einen nachhaltigen und zielgruppengerechten Praxistransfer.

Empfehlungen rund um Starkregen

In Deutschland liegt die Schlüsselrolle für die Starkregenvorsorge und Bewältigung auf lokaler Ebene bei den jeweiligen Kommunen und den Betroffenen. Dies beinhaltet u. a. die Flächen- und Bauleitplanung, aber auch die Bau-, Risiko- und Verhaltensvorsorge. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) sowie die Stadtentwässerungsbetriebe (StEB) Köln haben hierfür Leitfäden herausgegeben (Die unterschätzten Risiken Starkregen und SturzflutenWassersensible Stadt- und Freiraumgestaltung in KölnWassersensibel planen und bauen in KölnMehr Grün für ein besseres Klima in Köln). Auch die Eigenvorsorge (Bau-, Risiko- und Verhaltensvorsorge) der Betroffenen ist ein wichtiger Baustein, um sich vor Starkregen zu schützen. Folgende Maßnahmen werden deshalb vom BBK, den StEB Köln und dem HochwasserKompetenzCentrum e. V. (HKC) empfohlen:

Vorsorge
  • Verschaffen Sie sich vorab einen Überblick über mögliche Gefahren durch Starkregen in Ihrem Umfeld:
    • z. B. mit Starkregengefahrenkarten, wie denen der StEB Köln (hw-karten.de)
    • Informieren Sie sich über vorbeugende Maßnahmen für den Schutz von Häusern und Wohnungen: z. B. mit dem WasserRisikoCheck der StEB Köln für den Raum Köln
    • Der Hochwasser-Pass des HKC hilft die individuellen Gefahren abzuschätzen.
    • Die StEB Köln stellt eine Checkliste sowie FAQs zum Thema Starkregen zur Verfügung.
    • Auch der Lippeverband stellt hier verschiedene Präventionsmaßnahmenzusammen.
  • Versichern Sie nach Möglichkeit Gebäude und Hausrat gegen Schäden, die trotz Vorsorgemaßnahmen entstehen können. (DKKV-Themenseite Versicherungen im Risikomanagement)
  • Nutzen Sie Notfall-Apps und Warn-Plattformen, die z. B. vom BBK und dem DWD angeboten werden und rechts verlinked sind.
im Ereignisfall
  • Schließen Sie alle Fenster und Türen und schalten Sie Strom und Heizungen in gefährdeten Räumen ab.
  • Betreten Sie keine überschwemmten (Keller-)Räume oder Tiefgaragen.
  • Das Durchschreiten von Sturzfluten sowie das Schwimmen in überschwemmten Straßen sind lebensgefährlich, beispielsweise aufgrund gefährlicher Gegenstände im Wasser oder der unterschätzten Fließgeschwindigkeit.
  • Wählen Sie bei Gefahr für Leib und Leben und Umweltschäden den Notruf der Feuerwehr (112).

Allgemeine Vorsorgemaßnahmen und Tipps zum Verhalten im Katastrophenfall stellt das BBK hier zusammen: BBK Rategeber für Notfallvorsorge und richtiges Handeln in Notsituation sowie auf der Webseite des BBK.

Notfall- Apps

 

Erstellt: Oktober 2022

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