Wie kann Deutschland in komplexen Krisen- und Sicherheitslagen handlungsfähig bleiben? Mit dieser Frage beschäftigt sich die neue Studie „Gesamtstaatliches Sicherheitsökosystem 2030“, die am 7. Oktober 2026 beim Bonner IT-Dialog vorgestellt wurde. Herausgeber ist der AFCEA Bonn e. V. Die Studie untersucht, wie Behörden, Streitkräfte, Organisationen des Bevölkerungsschutzes, Betreiber kritischer Infrastrukturen, Wirtschaft und Wissenschaft ihre Fähigkeiten besser miteinander verknüpfen können, um Krisen wirksamer zu bewältigen.
Eine zentrale Erkenntnis der Untersuchung: Deutschland verfügt bereits über zahlreiche leistungsfähige Akteure, Technologien und Ressourcen. Allerdings fehlt es häufig an einer durchgängigen Zusammenarbeit über Organisations- und Zuständigkeitsgrenzen hinweg. Informationen werden nicht immer rechtzeitig weitergegeben, Lagebilder sind nicht ausreichend miteinander verknüpft und Entscheidungen führen nicht konsequent zu koordiniertem Handeln. Auf Grundlage von 55 vertiefenden Interviews mit 61 Gesprächspartner, einer Online-Befragung mit 72 Rückmeldungen und einem internationalen Vergleich entwickelt die 118-seitige Studie konkrete Lösungsansätze. Insgesamt werden 529 Vorschläge in sechs Handlungsfeldern und 30 Maßnahmen gebündelt.
Auch die Perspektive des Deutschen Komitees Katastrophenvorsorge (DKKV) ist in der Studie vertreten. Dr. Benni Thiebes, Geschäftsführer des DKKV, bringt seine Expertise an drei Stellen ein: im Kapitel „Lernen aus der Praxis“ (S. 25), im Zielbild für ein gesamtstaatliches Sicherheitsökosystem (S. 43) und bei den vorgeschlagenen Maßnahmen zur Umsetzung (S. 108). Insbesondere seine Erfahrungen aus der Flutkatastrophe im Ahrtal 2021 verdeutlichen, wie wichtig es ist, Einsätze systematisch auszuwerten und Erkenntnisse tatsächlich in die zukünftige Vorsorge und Planung zu übertragen. Darüber hinaus unterstreicht die Studie die Bedeutung einer bundesweit einheitlichen Erhebung von Katastrophendaten. Nur auf einer verlässlichen Datengrundlage lässt sich nachvollziehen, welche Maßnahmen wirken und wo weiterer Handlungsbedarf besteht.
Die Studie liefert damit wichtige Impulse für eine vernetzte und vorausschauende Krisenvorsorge. Sie macht deutlich, dass gesamtstaatliche Resilienz nicht allein durch neue Technologien oder Strukturen entsteht, sondern vor allem durch verbindliche Zusammenarbeit, klare Verantwortlichkeiten und das Lernen aus vergangenen Krisen.
Die gesamte Studie finden Sie zum Nachlesen hier.

