Das International Programme on Integrated Research on Disaster Risk (IRDR) hat ein neues Statement zur Rolle der Wissenschaft bei der Reduzierung von Katastrophenrisiken veröffentlicht. Unter dem Titel „Advancing Science for Disaster Risk Reduction – Towards 2030 and Beyond“ formuliert das internationale Forschungsprogramm zentrale Prioritäten für die Weiterentwicklung der Katastrophenrisikoforschung.
Das Statement betont, dass Katastrophenrisiken nicht allein durch einzelne Naturgefahren bestimmt werden. Exposition und Vulnerabilität sowie soziale, wirtschaftliche und institutionelle Ungleichheiten beeinflussen maßgeblich, wie stark Gesellschaften von Ereignissen betroffen sind. Gleichzeitig nehmen komplexe, kaskadierende und sich überlagernde Gefahren zu.
Das IRDR fordert deshalb eine stärkere inter- und transdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft, Politik, Behörden, Einsatzorganisationen und betroffenen Gemeinschaften. Wissenschaftliche Erkenntnisse sollen stärker in konkrete Entscheidungs- und Handlungsprozesse überführt werden – etwa durch bessere Frühwarnsysteme, risikobasierte Planung und antizipative Maßnahmen.
Auch neue Technologien spielen dabei eine wichtige Rolle. Das Statement hebt unter anderem das Potenzial von Künstlicher Intelligenz, Fernerkundung, Drohnen und Digital Twins für die Beobachtung von Gefahren, die Bewertung von Schäden und Vulnerabilitäten sowie die Unterstützung von Entscheidungsprozessen hervor. Gleichzeitig fordert das IRDR, die Grenzen und Unsicherheiten wissenschaftlicher Modelle stärker zu berücksichtigen.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Weiterentwicklung von Multi-Hazard-Frühwarnsystemen. Warnungen sollen nicht nur rechtzeitig erfolgen, sondern wirkungsorientiert, verständlich, handlungsorientiert und an lokale Gegebenheiten angepasst sein. Dabei sollen insbesondere vulnerable und marginalisierte Bevölkerungsgruppen berücksichtigt werden.
Mit Blick auf die Umsetzung des Sendai Framework for Disaster Risk Reduction 2015–2030 fordert das IRDR unter anderem mehr internationale und interdisziplinäre Forschungsprogramme, eine bessere Vergleichbarkeit von Schadensdaten sowie stärkere Schnittstellen zwischen Wissenschaft und Politik. Ziel ist es, wissenschaftliches Wissen nicht nur zu generieren, sondern es für konkrete Maßnahmen zur Risikoreduzierung nutzbar zu machen.
Das komplette Statement finden Sie hier.
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