Am Samstag, den 3. Januar 2026, kam es im Berliner Bezirk Steglitz-Zehlendorf zu einer signifikanten Unterbrechung der Stromversorgung. Von dem Ausfall waren die Ortsteile Nikolassee, Wannsee, Zehlendorf und Lichterfelde über einen Zeitraum von etwa 4,5 Tagen betroffen. Erste Ergebnisse der Quick Response Forschung von einem Team um Cordula Dittmer (KFS) wurden nun in einem Blog-Eintrag veröffentlicht. Die Analyse der Ereignisse verdeutlicht die weitreichenden Abhängigkeiten kritischer Infrastrukturen in einer urbanen Umgebung.

Technische Ursachen und Hintergrund

Nach Angaben des Betreibers Stromnetz Berlin waren mehr als 45.000 Haushalte sowie über 2.000 Gewerbebetriebe von der Versorgungsunterbrechung betroffen. Als Ursache wurde ein Brand an einer Kabelbrücke bzw. in einer Verteilerstation in Lichterfelde identifiziert, der zur Zerstörung mehrerer Hauptkabel führte.

Die Ermittlungsbehörden stuften den Vorfall frühzeitig als vorsätzliche Brandstiftung ein. Ein im Internet veröffentlichtes Bekennerschreiben einer linksextremistischen Gruppierung untermauerte diesen Verdacht. Statistiken der letzten fünf Jahre zeigen eine Zunahme von Sabotageakten auf die Berliner Energie- und Verkehrsinfrastruktur; erst im September 2025 waren durch die Beschädigung von Strommasten im Südosten der Stadt etwa 50.000 Personen für zweieinhalb Tage ohne Stromversorgung.

Auswirkungen und kaskadierende Effekte

Der Stromausfall löste aufgrund systemischer Verflechtungen diverse Folgestörungen aus. Infolge der winterlichen Witterung war der Ausfall der Wärmeversorgung unmittelbar spürbar. Besonders weitreichend war die Beeinträchtigung der Telekommunikation: Durch den Ausfall von 86 Mobilfunkmasten war das betroffene Gebiet weitestgehend ohne Netzabdeckung, was auch die Erreichbarkeit von Notrufen einschränkte.

Weitere infrastrukturelle Auswirkungen betrafen:

  • Verkehr: Ausfall von Ampelanlagen und Einschränkungen im S-Bahn-Betrieb.
  • Gebäudetechnik: Stillstand von Aufzügen und Funktionslosigkeit elektrischer Rollläden und Klingelanlagen.
  • Wasserversorgung: In Hochhäusern konnte die Versorgung aufgrund der Abhängigkeit von elektrischen Pumpen nicht flächendeckend aufrechterhalten werden.
  • Gewerbe: Supermärkte mussten den Betrieb einstellen und Warenbestände in Kühltransporter auslagern oder entsorgen, da digitale Zahlungssysteme und Kühlungen ausfielen.

Krisenmanagement und Maßnahmen der Behörden

Da im betroffenen Gebiet fünf Krankenhäuser, 74 Pflegeeinrichtungen sowie Flüchtlingsunterkünfte liegen, wurde die Lage als kritisch eingestuft. Der Bezirk Steglitz-Zehlendorf richtete einen Krisenstab ein und nutzte das Rathaus Steglitz als zentrale Notrufannahmestelle sowie als Wärme- und Betreuungspunkt.

Hilfsorganisationen wie das DRK und der ASB errichteten Notunterkünfte in Turnhallen. Die Polizei erhöhte ihre Präsenz und installierte gemeinsam mit dem THW Lichtmasten an Verkehrsknotenpunkten, die gleichzeitig als Informations- und Ladepunkte dienten. Am Sonntagnachmittag rief die Innensenatorin erstmals die seit 2021 im Katastrophenschutzgesetz verankerte „Großschadenslage“ aus. Diese rechtliche Einstufung ermöglichte eine zentralisierte Einsatzführung, die Einbindung ehrenamtlicher Kräfte sowie die Unterstützung durch die Bundeswehr.

Wiederherstellung der Versorgung

Zur Stabilisierung der Lage stellte das Land Nordrhein-Westfalen fünf Notstromaggregate bereit. Die Bundeswehr übernahm die logistische Betankung dieser Anlagen und unterstützte die Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln. Am Mittwochmorgen kündigte der Netzbetreiber die Wiederherstellung der Versorgung für 11:00 Uhr an, verbunden mit dem Aufruf zur sparsamen Nutzung des Stroms zur Vermeidung einer Netzüberlastung. Die Kommunikation erfolgte über Medien, Lautsprecherdurchsagen, Flyer sowie digitale Warnsysteme wie Cell Broadcast und die NINA-App. Die Großschadenslage wurde am darauffolgenden Freitagabend offiziell aufgehoben.

Die Erkenntnisse aus diesem Vorfall unterstreichen die Notwendigkeit einer resilienten Gestaltung städtischer Infrastrukturen und einer engen Koordination zwischen technischen Betreibern, Behörden und wissenschaftlicher Begleitung.

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(Bildquelle: Pixabay)