Im Rahmen des Erasmus+-Projekts RESILIENT VOICES arbeiten das Deutsche Komitee Katastrophenvorsorge und die französische Organisation Auxilia daran, die Perspektiven vulnerabler Bevölkerungsgruppen stärker in die Katastrophenvorsorge einzubeziehen. Ziel des Projekts ist es, besser zu verstehen, welche Herausforderungen verschiedene Bevölkerungsgruppen vor, während und nach Katastrophen erleben und wie Risikokommunikation und Vorsorgemaßnahmen inklusiver gestaltet werden können. Nach erfolgreichen Fokusgruppengesprächen mit Bewohner:innen der Lebenshilfe Buxtehude und Teilnehmenden eines Deutschförderkurses der VHS Buxtehude fand Mitte Juni ein weiteres Gespräch mit zehn Seniorinnen aus Buxtehude statt. Wie bereits die vorherigen Teilnehmenden erklärten sich auch die Seniorinnen gerne bereit, ihre Erfahrungen und Perspektiven einzubringen.

Auch in dieser Fokusgruppe kam das Serious Game „Sehen. Fühlen. Handeln – Ein inklusives Spiel für Katastrophenvorsorge“ zum Einsatz. Das kooperative Spiel unterstützt den Austausch anhand illustrierter Karten und ermöglicht einen niedrigschwelligen Zugang zum Thema Katastrophenvorsorge. In der ersten Phase diskutieren die Teilnehmenden Naturgefahren anhand von Situationskarten. Anschließend setzen sie sich mit ihren Emotionen auseinander, bevor in einer dritten Phase gemeinsam mögliche Handlungsoptionen entwickelt werden, die die positiven Emotionen stärken. Besonders geschätzt wurde die Möglichkeit, eigene Ideen einzubringen und zusätzliche Handlungskarten zu gestalten. Auf dieser Grundlage wurden die zuvor geäußerten Gefühle erneut reflektiert und bewertet. Das Spiel erleichterte den Einstieg in das Thema, machte unterschiedliche Erfahrungen sichtbar und förderte einen offenen Austausch.

Im Gespräch zeigte sich, dass viele Teilnehmerinnen bereits persönliche Erfahrungen mit Naturgefahren gemacht haben. Mehrere berichteten von Starkregenereignissen mit Wasser im Keller oder von Stürmen, die Dächer beschädigten. Besonders eindrücklich waren die Erinnerungen einiger Seniorinnen an die Sturmflut von 1962. Diese Erfahrungen wurden einerseits mit Angst und Unsicherheit verbunden – etwa durch die Erinnerung daran, dass „das Wasser überall war“ und es damals „zu wenig Aufklärung“ gegeben habe. Andererseits erinnerten sich viele auch an einen starken Zusammenhalt in der Bevölkerung und die hohe Solidarität aller.

Im Vergleich zu den anderen Fokusgruppen spielte das Thema Selbsthilfe und Nachbarschaftshilfe bei den Seniorinnen die größte Rolle. Viele betonten, wie wichtig es sei, dass Menschen sich gegenseitig unterstützen und wissen, an wen sie sich im Notfall wenden können. Gleichzeitig wurde deutlich, dass insbesondere im Hinblick auf zunehmende Hitzewellen mehr Anpassungsmaßnahmen im öffentlichen Raum gewünscht werden. Genannt wurden unter anderem zusätzliche Schattenplätze, Trinkwasserangebote und kühlere Aufenthaltsorte in der Stadt, die Rollator und Rollstuhlgerecht sind.

Viele berichteten, dass sie durch das Gespräch selbst neue Impulse und Informationen zur Katastrophenvorsorge erhalten hätten. Besonders wichtig war den Teilnehmenden die Erkenntnis, dass ihre Erfahrungen und Bedürfnisse künftig stärker berücksichtigt werden sollen. Die Ergebnisse der drei Fokusgruppen zeigen insgesamt, wie wertvoll die Einbindung unterschiedlicher Bevölkerungsgruppen für eine wirksame Katastrophenvorsorge ist. Menschen mit Behinderung, Migrant:innen und Senior:innen verfügen über eigene Erfahrungen, Kompetenzen und Perspektiven, die in Planungen stärker berücksichtigt werden sollten. Die Erkenntnisse aus den Gesprächen werden nun in die weitere Projektarbeit einfließen. Ziel bleibt es, gemeinsam mit Verwaltung, sozialen Einrichtungen, Vereinen und Bürger:innen eine inklusivere, alltagsnähere und resilientere Katastrophenvorsorge in Buxtehude zu gestalten.

(Bildquelle: DKKV)