Im November und Dezember 2025 hatte das DKKV auf eine bundesweite wissenschaftliche Umfrage zur individuellen Krisenvorsorge in der Bevölkerung aufmerksam gemacht. Nun liegt die Auswertung der Befragung vor und liefert wichtige Erkenntnisse für den Bevölkerungsschutz und die aktuelle Vorsorgediskussion. Die Untersuchung basiert auf einer quantitativen Online-Befragung von 266 Teilnehmenden aus Deutschland und analysiert Abweichungen zwischen der subjektiven Selbsteinschätzung der eigenen Krisenvorsorge und der tatsächlich vorhandenen haushaltsbezogenen Preparedness.

Die Ergebnisse zeigen, dass mehr als die Hälfte der Befragten ihre eigene Krisenvorsorge nicht realistisch einschätzt. Rund 28,5 Prozent überschätzen ihre Vorsorge, 26,5 Prozent unterschätzen sie, während nur 45 Prozent zu einer weitgehend realistischen Selbsteinschätzung gelangen. Besonders relevant ist, dass Personen mit einer Überschätzung ihrer Vorsorge im Durchschnitt deutlich schlechter ausgestattet sind als Haushalte mit realistischer Einschätzung. Klassische Differenzierungen, etwa zwischen Stadt und Land oder nach Wohnortgröße, erweisen sich dabei als kaum erklärungskräftig.

Stattdessen spielen psychologische Faktoren eine zentrale Rolle für das tatsächliche Vorsorgeniveau. Eine hohe Selbstwirksamkeit, Problemlösezuversicht und die Überzeugung, selbst Verantwortung für die eigene Vorsorge zu tragen, gehen mit besserer Preparedness einher. Umgekehrt ist eine starke Erwartung, dass staatliche Stellen im Krisenfall vollständig für die Versorgung sorgen, mit geringerer privater Vorsorge verbunden. Soziodemografische Merkmale wie Alter, Bildung oder Einkommen zeigen zwar Zusammenhänge, erklären das Vorsorgeverhalten jedoch nur begrenzt.

Die Analyse einzelner Vorsorgemaßnahmen verdeutlicht zudem eine selektive Vorsorge: Während alltagsnahe Ressourcen wie alternative Lichtquellen oder Medikamentenvorräte in den meisten Haushalten vorhanden sind, fehlen spezifische Krisenressourcen deutlich häufiger. So verfügt nur etwa 40 Prozent der Haushalte über ein stromunabhängiges Radio, und auch die empfohlene Trinkwassermenge für mehrere Tage ist nicht überall vorhanden.

Aus Sicht des Bevölkerungsschutzes unterstreichen die Ergebnisse, dass Defizite in der privaten Krisenvorsorge weniger auf fehlende Risikowahrnehmung als vielmehr auf Orientierungs- und Umsetzungsprobleme zurückzuführen sind. Viele Menschen erkennen Risiken grundsätzlich an, wissen jedoch nicht, wo sie anfangen sollen oder welche Maßnahmen prioritär sind. Für die Weiterentwicklung von Vorsorge- und Kommunikationsansätzen bedeutet dies, stärker auf klare Handlungshilfen, realistische Selbsteinschätzung und die transparente Rollenverteilung zwischen staatlicher Vorsorge und privater Eigenverantwortung zu setzen.

Die Auswertung liegt bewusst in einer praxisnahen Zusammenfassung vor und versteht sich nicht als wissenschaftliche Publikation, sondern als Beitrag zur laufenden Diskussion über eine wirksame Stärkung der individuellen und gesellschaftlichen Krisenvorsorge in Deutschland. Die Studie wurde von Dr. Fabian Schmidt in Zusammenarbeit mit dem Bildungszentrum für Gefahrenabwehr und Krisenmanagement der Hochschule Fresenius durchgeführt.

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(Bildquelle: KI-Generiert)