Neue wissenschaftliche Auswertungen unter Beteiligung einer Expert:innengruppe des Deutschen Wetterdienstes (DWD) zeigen, dass Tornados in Deutschland häufiger auftreten als bislang angenommen. Demnach werden hierzulande durchschnittlich rund 50 bestätigte Tornados pro Jahr registriert. Frühere Schätzungen gingen von etwa 10 bis 20 Ereignissen jährlich aus.

Das Fachpaper „Tornadoes in Germany: intensity, temporal and spatial distribution“ von Marcus Beyer, Kathrin Wapler und Thilo Kühne analysiert erstmals systematisch die Intensität sowie die zeitliche und räumliche Verteilung von Tornados in Deutschland. Grundlage der Untersuchung sind verbesserte Datenerhebungen, eine intensivere Auswertung von Schadensmeldungen sowie Fortschritte in der Beobachtung und Dokumentation von Extremwetterereignissen.

Tornados sind rotierende Luftsäulen mit Bodenkontakt, die sich unter gewitterartigen Wolken bilden können. Ihre Entstehung wird unter anderem durch starke Temperaturgegensätze, aufsteigende Luftmassen und ausgeprägte vertikale Windscherung begünstigt. Je nach Umgebung werden sie auch als Großtromben, Windhosen oder Wasserhosen bezeichnet. Die Windgeschwindigkeiten können mehrere hundert Kilometer pro Stunde erreichen, die Schäden treten typischerweise streifenförmig entlang der Zugbahn auf.

Zur Einordnung der Intensität wird die Fujita-Skala verwendet, die von schwachen bis hin zu sehr starken Tornados reicht. Die höchsten Intensitätsstufen sind in Deutschland selten, dennoch verdeutlichen die Ergebnisse die Relevanz des Phänomens auch für Mitteleuropa.

Die neuen Erkenntnisse tragen dazu bei, Risiken durch Tornados realistischer einzuschätzen und das Verständnis für extreme Wetterereignisse zu verbessern. Ergänzend zu dem Fachpaper erläutert DWD-Experte Marcus Beyer die Ergebnisse in einem Interview, zudem berichtet Volker Mrasek im Deutschlandfunk über die aktuellen Auswertungen.

Weitere Informationen und das vollständige Paper sind hier zu finden.

(Bildquelle: unsplash)