Frühwarnung
Die Themen Frühwarnung und Frühwarnsysteme haben in Deutschland in den letzten Jahren an Aufmerksamkeit gewonnen. Vor allem durch den, seit 2020 jährlich durchgeführten bundesweiten Warntag und die Flutkatastrophe 2021 wurden Schwachstellen und dringender Handlungsbedarf in der Warnung und Alarmierung der Bevölkerung offenkundig. Diese Themenseite beleuchtet die zentralen Elemente effektiver Frühwarnsysteme, Herausforderungen sowie Fortschritte in Deutschland.
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Was sind Frühwarnsysteme?
Frühwarnsysteme dienen dazu, Menschen rechtzeitig vor schadenbringenden Ereignissen zu warnen und ihnen die Möglichkeit zu geben, adäquat zu reagieren. Sie sind ein zentraler Bestandteil des Risikomanagements. Effektive Frühwarnsysteme basieren auf vier Elementen (ergänzt nach UNDRR, 2004, 2006): Die Gefahrenbewertung und Datenanalyse, die Überwachung der Gefahr, eine effektive Warnkommunikation sowie Maßnahmen zur Stärkung der Reaktionsfähigkeit bilden gemeinsam ein umfassendes Risikomanagement, das in der Grafik detailliert dargestellt wird.
Hieraus wird deutlich, dass Frühwarnsysteme nicht nur als technische Systeme, sondern auch als soziale Prozesse zu verstehen sind. Der Erfolg hängt maßgeblich davon ab, wie gut die Bevölkerung informiert und eingebunden ist.
In diesem Zusammenhang sind Echtzeitdaten, sowohl Real-time (RT) als auch Near Real-Time (NRT), entscheidend für die schnelle und präzise Reaktion auf sich entwickelnde Gefahren. Sie können Veränderungen in der Gefährdungslage sofort detektieren und ermöglichen so Prognosen. Sie unterstützen sowohl die Überwachung der Gefahren, wie Erdbeben und Tsunamis (GFZ), Vulkanismus (ESKP), Sturzfluten, Tornados (IFRC) sowie industriellen Gefahren, als auch die zeitgerechte Kommunikation von Warnungen, um eine effektive und rechtzeitige Reaktion der betroffenen Bevölkerung zu gewährleisten.
Vier grundlegende Elemente von Frühwarnsystemen und die damit zusammenhängende zentrale Fragen (Thiebes et al. 2022)

Lehren aus internationalen Erfahrungen – Beispiel Indonesien
Der Tsunami 2004 in Südostasien zeigte eindrücklich die Folgen fehlender Frühwarnsysteme. Als Reaktion darauf wurde das German Indonesian Tsunami Early Warning System (GITEWS) entwickelt. Es kombinierte modernste Technologien mit sozialer Vorbereitung.
Eine zentrale Erkenntnis: Selbst die schnellste Warnung ist nutzlos, wenn die „letzte Meile“ nicht überbrückt wird. Die Bevölkerung muss rechtzeitig gewarnt, geschult und auf konkrete Handlungsmaßnahmen vorbereitet werden. Dieses Prinzip, die „letzte Meile“ zur „ersten Meile“ zu machen, gilt als Vorbild für effektive Warnsysteme weltweit.
Mehr zum Tsunami von 2004 in dem Lunchtalk mit Dr. Alexander Rudloff vom GFZ.
Mehr Informationen auch auf der Themenseite Tsunami.
Alarmierungssysteme in Deutschland
Deutschland setzt auf verschiedene Alarmierungsmethoden, da jede einzelne ihre eigenen Stärken und Schwächen hat. Ein abgestimmter „Warnmix“ ist daher entscheidend, um eine möglichst breite Bevölkerung zu erreichen und eine effektive Warnung sicherzustellen.
Lautsprecherdurchsagen
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Direkt und situationsspezifisch, aber begrenzte Reichweite und hoher Ressourcenbedarf.
Warn-Apps
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Apps wie NINA, KATWARN oder die WarnWetter-App des DWD bieten differenzierte Warnungen. Allerdings erreichen diese nur Smartphone-Nutzer, welche die Apps bewusst installieren müssen, und erfordern ein funktionierendes Mobilfunknetz. Die NINA Warn-App haben aktuell rund 12 Millionen Personen installiert.
Sirenen
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Traditionelles Mittel, welches nach Ende des Kalten Krieges vermehrt abgebaut wurde, aber jetzt wieder verstärkt genutzt wird. Nationale Aufbauprogramme zur Verbesserung des Sirenennetzes gibt es verstärkt wieder seit der Flutkatastrophe im Ahrtal 2021. Moderne Sirenen können inzwischen auch Durchsagen übermitteln.
Cell Broadcasting
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Eine in Deutschland seit 2021 eingeführte Technik, die Nachrichten an alle Mobiltelefone in einem Gefahrengebiet sendet, unabhängig von Apps. Diese Methode gilt als datenschutzfreundlich und robust („last service standing“), erfordert jedoch technische Anpassungen auf den Geräten. Der Vorteil ist hingegen, dass Nutzer:innen keine Apps installieren müssen, um die Warnungen zu erhalten.
Herausforderungen und Lösungsansätze
Herausforderungen und der Weg nach vorn
1. Technische Herausforderungen
Ausbau und Modernisierung der Sireneninfrastruktur
2. Förderung der Risikokommunikation
Aufklärungsinitiativen, um das Bewusstsein für Warnsignale zu stärken.
Schulungen und Übungen zur Verbesserung der Reaktionsfähigkeit.
3. Klärung von Verantwortlichkeiten
Stärkere Kooperation zwischen staatlichen und kommunalen Akteur:innen.
Zentrale Botschaften
1. Frühwarnsysteme sind mehr als Technologie
Kommunikation und gesellschaftliche Akzeptanz sind der Schlüssel.
2. Ein abgestimmter Warnmix ist essenziell
Redundante Systeme erhöhen die Reichweite und Effektivität.
3. Bildung und Aufklärung stärken die Handlungsfähigkeit
Nur informierte und vorbereitete Menschen können angemessen auf Warnungen reagieren.
Weiteres
Netzwerk für Frühwarnsysteme
Hintergrund
Im Jahr 2013 wurde im Rahmen einer ressortübergreifenden Kooperation des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), Auswärtigem Amt (AA), Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) und Bundesministerium des Innern und für Heimat (BMI) die Globale Initiative Katastrophenrisikomanagement (GIKRM) ins Leben gerufen. Die Umsetzung wurde der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) übertragen. Ziel war es, die spezifischen Ressorterfahrungen und Kompetenzen für ein wirkungsvolleres internationales Katastrophenmanagement zu nutzen.
Netzwerk Frühwarnsysteme
In der ersten Phase wurde ein Expert:innennetzwerk für Frühwarnsysteme durch Workshops aufgebaut. Seit 2019 wird das Netzwerk durch das DKKV betreut. Anfragen zu Beratungsleistungen und Expertisen zu den Themen Frühwarnung und Frühwarnsysteme können über die DKKV-Geschäftsstelle an das Netzwerk weitergeleitet werden.
Weiterführende Links und Materialien
Erstellt: März 2025
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