Wie gelingt wirksame Krisenvorsorge über Organisations-, Fach- und Ländergrenzen hinweg? Mit dieser Frage beschäftigte sich das Dialogforum „Grenzübergreifende Katastrophenvorsorge und Resilienz“ am 13. Oktober 2026 in Bonn. Unter dem Leitgedanken „Resilienz braucht das WiR“ kamen Vertreter aus Verwaltung, Hilfsorganisationen, Wirtschaft, Wissenschaft, Bundeswehr, Kommunen und Zivilgesellschaft zusammen, um Erfahrungen auszutauschen, Herausforderungen zu diskutieren und neue Verbindungen für die Krisenvorsorge zu knüpfen.

Gerade Ereignisse wie Extremwetter, Waldbrände, Ausfälle kritischer Infrastruktur und Cyberangriffe zeigen, dass Krisen nicht an Zuständigkeits- oder Landesgrenzen haltmachen. Umso wichtiger ist es, vorhandene Kompetenzen zu bündeln, Informationswege zu stärken und die Zusammenarbeit zwischen den beteiligten Akteur bereits vor einer Krise vorzubereiten.

Das DKKV hat an dieser Veranstaltung mit drei Vertreter:innen ebenfalls teilgenommen. Des Weiteren war Jakob Bartolomey, wissenschaftlicher Mitarbeiter beim DKKV, eingeladen bei der Paneldiskussion zum Thema „Alle brauchen Handlungskompetenz“ mitzuwirken und durch sein Fachwissen einen wichtigen Input zur Disskusion beizutragen.

Von europäischen Perspektiven zur konkreten Krisenpraxis

Zu Beginn des Dialogforums wurden unterschiedliche Perspektiven auf die grenzübergreifende Krisenvorsorge zusammengeführt. Lena Düpont, Mitglied des Europäischen Parlaments und stellvertretende Vorsitzende der Intergroup on Resilience, Disaster Management and Civil Protection, sowie Maciej Popowski, Generaldirektor der Europäischen Kommission, Generaldirektion Europäischer Katastrophenschutz und humanitäre Hilfe (DG ECHO), brachten die europäische Perspektive in den Austausch ein.

Im weiteren Verlauf setzten drei fachliche Impulse wichtige Schwerpunkte: die Sicherheit und Resilienz von Lebensmittelketten, digitale Unterstützung für die zivil-militärische Zusammenarbeit sowie die Widerstandsfähigkeit grenzüberschreitender Lieferketten. Sie verdeutlichten, wie eng Versorgungssicherheit, Kommunikation, gemeinsame Lagebilder und internationale Zusammenarbeit miteinander verbunden sind.

Anschließend vertieften drei Panels zentrale Fragestellungen der Krisenvorsorge: Wie lassen sich Versorgung und Kommunikation bei einem Stromausfall aufrechterhalten? Wie können unterschiedliche Informationen schnell zu einem gemeinsamen Lagebild zusammengeführt werden? Und wie gelingt es, vorhandenes Fachwissen und praktische Fähigkeiten im Krisenfall schnell und wirksam einzusetzen?

Dabei trafen Perspektiven aus Forschung, Wirtschaft, Verwaltung, Katastrophenschutz und praktischer Hilfe aufeinander. Die Diskussionen machten deutlich, dass erfolgreiche Krisenbewältigung nicht allein von einzelnen Organisationen abhängt, sondern vor allem vom abgestimmten Zusammenwirken aller Beteiligten.

Austausch auf Augenhöhe und Netzwerken an Thementischen

Ein besonderer Schwerpunkt der Veranstaltung lag auf dem persönlichen Austausch und der aktiven Netzwerkarbeit. Nach den Paneldiskussionen wechselten die Teilnehmenden vom Podium an moderierte Thementische. Dort konnten sie eigene Erfahrungen und Fragen einbringen, andere Sichtweisen kennenlernen und konkrete Schnittstellen für eine bessere Zusammenarbeit identifizieren.

Im Mittelpunkt standen drei Themenbereiche:

  • Soforthelfer und Fachwissen: Wie lassen sich lokale Kompetenzen, praktische Fähigkeiten und vorhandene Ressourcen frühzeitig erkennen und in bestehende Strukturen einbinden?
  • Zivil-militärische Zusammenarbeit und gemeinsames Lagebild: Wie können Zuständigkeiten, Kommunikationswege und Informationsflüsse so vorbereitet werden, dass im Ernstfall ein koordiniertes Handeln möglich ist?
  • Grenzübergreifende Zusammenarbeit und europäische Anschlussfähigkeit: Welche Ansprechpartner, abgestimmten Strukturen und gemeinsamen Erfahrungen braucht es, damit Hilfe auch über Landesgrenzen hinweg schnell organisiert werden kann?

Die anschließende Zusammenführung der Ergebnisse im Plenum schuf Raum, um Gemeinsamkeiten, offene Fragen und mögliche Ansatzpunkte für die weitere Zusammenarbeit sichtbar zu machen. Der Austausch unterstrich die Bedeutung persönlicher Kontakte und belastbarer Netzwerke: Wer einander kennt und die jeweiligen Fähigkeiten einschätzen kann, schafft wichtige Voraussetzungen für ein koordiniertes Handeln im Krisenfall.

Paneldiskussion beim Dialogforum am 13.10.2026 (@Stojakovic)

Viele Perspektiven für eine gemeinsame Krisenvorsorge

Das Dialogforum brachte Akteur aus unterschiedlichen Bereichen zusammen. Zu den Mitwirkenden gehörten unter anderem Sebastian Graf von Keyserlingk aus dem Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat, Ansgar Kaltwasser von CGI, Prof. Sebastian Jarzębowski von der Kozminski University in Warschau, Dr. Christoph Bader von HSWT/TUM, Vertreter der Universität Bonn, des Technischen Hilfswerks, der Bundeswehr, des Kreises Düren sowie von Hilfs- und Soforthelfer-Netzwerken.

Auch die kommunale Perspektive, ehrenamtliches Engagement und praktische Einsatzerfahrungen waren vertreten – unter anderem durch Landrat Dr. Ralf Nolten, Markus Wipperfürth und Thomas Knecht von Red Farmers e. V. Die Vielfalt der Beteiligten ermöglichte es, strategische Fragen mit konkreten Erfahrungen aus der Praxis zu verbinden.

Resilienz entsteht durch Zusammenarbeit

Das Dialogforum hat die Bedeutung eines vernetzten Ansatzes für die grenzübergreifende Katastrophenvorsorge in den Mittelpunkt gestellt. Ob bei der Sicherung kritischer Versorgung, der gemeinsamen Lagebewertung oder der Einbindung ehrenamtlicher Soforthelfer:innen: Entscheidend ist, dass Informationen, Fähigkeiten und Kontakte rechtzeitig zusammenfinden.

Resilienz entsteht dort, wo Zusammenarbeit bereits vor der Krise beginnt. Dafür braucht es Austausch, gegenseitiges Verständnis und Netzwerke, die über Organisations- und Ländergrenzen hinweg funktionieren. Das Dialogforum in Bonn bot hierfür einen Raum, um Perspektiven zu verbinden und die gemeinsame Krisenvorsorge weiterzudenken.

Ein herzlicher Dank gilt allen Mitwirkenden und Teilnehmenden, die ihre Erfahrungen, ihr Wissen und ihre Ideen in den Dialog eingebracht haben.

Resilienz braucht das WiR.